Das Zerstören von Vertrauen gehört zum Standardrepertoire populistischer und autoritärer Akteure *** Bekenntnis der österreichischen Regierung zur Bedeutung des gemeinnützigen Sektors in Österreich *** Save the Date: Ein Ausblick auf das Webinarprogramm im Herbst
Was ist österreichischer als Vereinsleben? Praktisch jeder hierzulande spendet, engagiert sich oder profitiert von Vereinen – vom Roten Kreuz über Blasmusik bis zu Kultur und Sport. Der größte Teil öffentlicher Finanzierungen von gemeinnützigen Organisationen basiert auf Leistungsverträgen. Die öffentliche Hand kauft Leistungen bei gemeinnützigen Organisationen ein, weil sie zuverlässig und wirksam sind. Bei Förderverträgen wird doppelt und dreifach geprüft. Jedes Ministerium und jedes Land prüft mit eigenen Vorgaben. Alle, die mit der Sache ernsthaft vertraut waren, sind also nicht erstaunt, dass im Rechnungshof-Unterausschuss, der von der FPÖ initiiert wurde, nichts herausgekommen ist, außer, dass ohnehin streng und gründlich geprüft wird.
Nichtsdestotrotz versucht die FPÖ gegen NGOs zu kampagnisieren. Warum? Ist das Vertrauen mal ruiniert, schimpft sich’s gänzlich ungeniert, könnte man erklären. Näheres dazu ist in meiner aktuellen profil-Kolumne nachzulesen.
Darin steht auch, dass, wo politische Ahnungslosigkeit herrscht, der Kampagne in die Hände gespielt wird – wie etwa in der konfusen Diskussion um Kofinanzierungen. Wenn EU, Bund, Länder oder Gemeinden gemeinsam ein Projekt finanzieren, handelt es sich eben um Kofinanzierung und nicht um „Doppelfinanzierung“. Ohne sie gäbe es mangels eindeutiger Zuständigkeit viele Leistungen schlicht nicht – das gilt für Hospizbetreuung genauso wie bei einem Projekt gegen Hass im Netz. Auch verschiedene Förderungen für unterschiedliche Leistungen einer Organisation sind keine „Doppelförderung“. Förderungen von Projekten werden zudem mehrfach geprüft. Das wird ebenfalls im Bericht des Rechnungshof-Unterausschusses deutlich.
Der Umgang mit der FPÖ-Kampagne (auch im internationalen Vergleich, die Rechtspopulisten und Rechtsextremen versuchen das ja in ganz Europa) zeigt: Manchmal erweist es sich als zielführend, wenn man nicht in jedes vergiftete Stöckerl beißt, das einem provozierend vor die Füße geworfen wird.
Aber, wir können und sollen selbstbewusst kommunizieren, was wir für die Menschen in Österreich tun und sind. Unsere Arbeit und das Reden darüber und über unsere Gründungsmotivation erobert Herzen und schafft Vertrauen. Das ist wichtiger denn je.
Erfreulich ist, dass die Regierung inmitten der Diskussion um Finanzierung, Einsparungen und Förderkürzungen im Bericht des Rechnungshof-Unterausschusses ein klares Zeichen setzt und sich zur Bedeutung der gemeinnützigen Organisationen in Österreich bekennt. Der Bundeskanzler und die zuständigen Bundesminister:innen schlussfolgern darin: „In einer lebendigen Demokratie sind gemeinnützige Organisationen wichtige Partnerinnen und Partner – und zugleich ein geschätztes, kritisches Gegenüber der Regierungen. Auf allen Ebenen des politischen Handelns bringen sie praktische Erfahrung und Expertise ein – sei es in Begutachtungen oder in der öffentlichen Debatte. Die Bundesregierung schützt die Organisationen als verlässliche Partnerinnen, konstruktive Kritikerinnen und praxiserfahrene Expertinnen.“ Und weiter: „Autoritäre Staaten beschränken und überwachen zivilgesellschaftliches Engagement. Österreich bekennt sich hingegen zu einer unabhängigen, freien Zivilgesellschaft, zu Versammlungs-, Koalitions- und Vereinsfreiheit und zur Unterstützung der gemeinnützigen Tätigkeit. Die Bundesregierung ist überzeugt, dass die Wehrhaftigkeit unserer Demokratie weiter gestärkt werden muss. Zivilgesellschaftliche Organisationen nehmen hier eine Schlüsselrolle ein.“
Den hier zitierten Auszug aus den Ergebnissen und Schlussfolgerungen könnt ihr hier im Original nachlesen.
Meiner (doch schon längeren) Erfahrung nach ist das historisch einmalig. Bei Reden und Preisverleihungen wurden und werden wir schon immer mal gelobt. Aber ein offizielles, formales Bekenntnis einer ganzen Regierung zum Sektor und auch zu seiner anwaltschaftlichen Rolle ist bemerkenswert. Gerade in Zeiten wie diesen.
Das Problem der Überbürokratie bleibt unterdes bestehen. Jedes Ministerium produziert andere Abrechnungspflichten. Reformbedarf ist aufgrund unterschiedlicher Verwaltungs- und Dokumentationsvorgaben der Ministerien und Bundesländer notwendig. Der Aufwand ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen und gerade Organisationen, die mit mehreren Ministerien und Ländern zusammenarbeiten, müssen unterschiedliche Vorgaben parallel erfüllen.
Als Bündnis für Gemeinnützigkeit fordern wir seit Jahren eine Verwaltungsvereinfachung: einheitlich, digital und transparent. Gemeinnützige Organisationen leben vom Vertrauen und sie wissen: Gute Kontrolle ist essenziell. Eine Aufgabe für die Förder-Taskforce. Wir sind und bleiben dran!
Das könnt ihr auch, bei unseren Webinaren im Herbst, die Judith Mehofer wieder exzellent kuratiert hat und ebenso moderieren wird. Im Frühjahr waren wir jedesmal ausgebucht. Auch das ist eine erfreuliche Nachricht.
Produktives Schwitzen und Wirksamkeit in herausfordernden Zeiten
wünscht euch
Stefan
Herbst-Webinar 2026 – Save the date!
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STOLPERFALLE ABZUGSTEUER | 10. Juni 2026, 15 bis 18 Uhr
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